Jahresanlass des Clubs FDP 2000 – Humor hat Platz in der Politik

Wie ein froher Wirbelwind rauschte alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz zwanzig Minuten vor dem Beginn des Apéros im Hotel Roter Turm in Solothurn ein. Seine Mütze und die robuste Jacke liessen erahnen, dass er den Weg vom Bahnhof im lockeren Schritt hinter sich gebracht und auf ein Taxi verzichtet hatte. Über 60 Personen hatten sich zum Jahresanlass der Gönnervereinigung der Solothurner FDP eingefunden und die freudigen Begrüssungen waren wohltuend und herzlich. Die Einstimmung zum Referat des alt Bundesrates aus dem Appenzellerland war gelungen. Dieses stellte er unter das Motto «Humor in der Politik».

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Einführend erklärte er die verschiedensten Formen von Humor: Satire, Sketches, Witz, britischen und ostfriesischen Humor und viele mehr. Humor komme vom Gemüt, Witz vom Geist. In der Politik werde Ernsthaftigkeit erwartet; es würden keine Witze über Schwarze, Schwule, Ethnien etc. gemacht. Humor könne sogar gefährlich werden. Er erwähnte hierbei den Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo». Eine Prise Humor gehöre jedoch schon dazu. Bundesrat Willi Ritschard sei ein Paradebeispiel gewesen mit seinem warmherzigen, aber nicht zynischen Humor. Ein bisschen mehr Willi Ritschard würde heutzutage guttun. Verschmitzt fügte Merz zum «Zynismus» folgendes Beispiel an: wie viele arbeiten eigentlich beim Bund? Nur höchstens die Hälfte. Im Parlament kann es zu unfreiwilligem Humor kommen. So ein Parlamentarier, der sich zu Wort meldete: Bevor ich jetzt zu ihnen spreche, möchte ich ihnen etwas sagen. Der schwarze Humor präsentierte Merz mit Einstein, der zeitweise in Bern lebte: «Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Nur beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.» Über Humor hätte der frühere Finanzminister noch lange erzählen können. Er mahnte zum Schluss, dass diejenigen, die keinen Humor hätten, es besser lassen sollen; es könne kontraproduktiv enden.

Nach dem Abendessen, zu dem eine schmackhafte Suppe mit einer Bündnerfleisch-Julienne nicht fehlen durfte, ergriff der Präsident Werner Meier das Wort und bedankte sich bei den Gönnern für die jahrelange Treue und das Engagement für die Kantonalpartei. Stolz durfte er dem Kantonalpräsidenten Stefan Nünlist einen Check über 38'000 Franken übergeben. Rückblickend auf die beiden Parlamentariergespräche und den Besuch des Bundeshauses in Bern waren der Präsident und die anwesenden Gäste sichtlich zufrieden mit dem vergangen Club-Jahr. Der Ausblick auf das kommende Jahr präsentierte sich vielversprechend und motivierte dazu, dem Club weiterhin die Treue zu halten.

Kurz vor 21 Uhr verabschiedete sich alt Bundesrat Merz. Er müsse den Zug erwischen, denn morgen früh müsse er schon wieder Richtung Bündnerland aufbrechen. Auf ein Honorar verzichtet er grosszügig. Er habe eine gute Pension und dafür möchte er sich gerne noch etwas revanchieren. Die feinen Süssigkeiten der Suteria nahm er jedoch sehr gerne mit auf den Weg. Erst knapp vor Mitternacht dürfte er wieder in Herisau angekommen gewesen sein. Alt Bundesrat Merz – eine erquickende Erscheinung, vielen Dank für den Besuch!

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